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Soziales Engagement

Bei der Nachlassplanung die Flexibilität erhalten

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Ohne Testament gilt uneingeschränkt die gesetzliche Erbfolge, betont der Fachexperte Oliver Reinhardt.

Wie, Herr Reinhardt, lege ich ein Legat oder eine testamentarische Spende richtig an und was muss ich dabei beachten?


Bei der Formulierung des Testaments ist darauf zu achten, dass klare Anordnungen getroffen werden. In Bezug auf ein Vermächtnis beziehungsweise Legat bedeutet dies, dass die Zuwendung hinreichend genau umschrieben wird, wie zum Beispiel ein konkreter Geldbetrag, und die begünstigte Person klar identifizierbar ist. Bei Organisationen ist es empfehlenswert, die Unternehmens-Identifikationsnummer aufzuführen. Diese kann im Internet unter https://www.uid.admin.ch abgerufen werden. Ausserdem sind unbedingt die Formvorschriften für das Testament zu beachten: Entweder eigenhändig, das heisst nicht am Computer, geschrieben, datiert und unterzeichnet oder von einer Urkundsperson öffentlich beurkundet unter Mitwirkung von zwei Zeugen.

Welche Stolpersteine gibt es bei Legaten?

In erster Linie sind das unklare Formulierungen, häufig in Bezug auf den Gegenstand oder die begünstigte Person sowie der Tragung der Steuerfolgen.

Wer heute ein Testament macht und Legate aussetzt, weiss nicht, wie viel Vermögen am Schluss des Lebens noch vorhanden ist. Was bedeutet dies für die gesetzlichen oder eingesetzten Erben?

Das ist korrekt. Gesetzliche oder eingesetzte Erben können sich jedoch nur dann gegen die Ausrichtung eines Legats wehren, wenn diese Anspruch auf sogenannte Pflichtteile haben. Pflichtteile bestehen je nach verwandtschaftlichen Verhältnissen zu Gunsten von Nachkommen, Ehegatten beziehungsweise eingetragener Partnerin oder eingetragenem Partner oder Eltern der Erblasserin oder des Erblassers. Führt die Ausrichtung eines Legats zur Verletzung eines Pflichtteils, weil zu wenig Vermögen vorhanden ist, kann die betroffene Erbin beziehungsweise der betroffene Erbe dagegen klagen und die Höhe des Legats gerichtlich herabsetzen lassen.

Oft stirbt der Vermächtnisnehmer vor dem Erblasser. Dieser ist dann nicht mehr in der Lage, das Testament zu ändern oder denkt nicht daran. Welche Folgen hat dies für die gesetzlichen Erben?

Wenn ein Vermächtnisnehmer vor dem Erblasser verstirbt, so verfällt das Vermächtnis grundsätzlich zu Gunsten der Erbmasse, sofern nicht ein Ersatzvermächtnis verfügt worden ist. Erbinnen und Erben erhalten in einem solchen Fall entsprechend mehr.

Ist es sinnvoll bei Legaten eine Fachperson beizuziehen?

Wie dargelegt tauchen bei der Ausrichtung von Legaten verschiedene Fragen auf und es gilt, Unklarheiten zu vermeiden. Zudem empfiehlt es sich, die Ausrichtung von Legaten in den Kontext mit anderen testamentarischen und erbvertraglichen Regelungen zu stellen und die Ausgangslage sowie die Regelungsmöglichkeiten in einem etwas grösseren Kontext zu analysieren.

Das Bedürfnis und die Bereitschaft, sich mit seinem Nachlass auseinanderzusetzen, nehmen im Alter zu. Eine übermässige Planung kann aber auch Nachteile mit sich bringen. Was meinen Sie damit konkret?

Da sich die Lebensumstände oftmals unvorhergesehen und rasch ändern, ist bei der Nachlassplanung in einer frühen Lebensphase darauf zu achten, dass die Flexibilität erhalten werden kann. Diese wird bei vertraglicher und dabei insbesondere bei lebzeitiger Zuwendung bisweilen stark eingeschränkt. Eine spätere Anpassung an geänderte Lebensumstände erfordert in diesen Fällen immer die erneute Mitwirkung sämtlicher beteiligter Personen.

Weshalb sollte ich überhaupt ein Testament oder einen Erbvertrag erstellen?

Ohne Testament beziehungsweise Erbvertrag gilt die gesetzliche Erbfolge, unter Umständen mit einer Vielzahl von Erbinnen und Erben. Streitigkeiten unter Erben, die ausgelöst durch Argwohn und Missgunst entstehen und zudem durch Emotionen befeuert werden, sind in solchen Fällen leider nur allzu oft an der Tagesordnung. Mit einer frühzeitigen, umsichtigen Nachlassplanung, wo immer möglich unter Einbezug der Erbinnen und Erben, kann die eigene Verantwortung gegenüber der Familie gelebt und dadurch möglichen Konflikten zwischen den Erben vorgebeugt werden.

Zahlreiche gemeinnützige Organisationen werben heute um Spender. Wie blicke ich da überhaupt noch durch?

In der Tat existieren unzählige gemeinnützige Organisationen. Am besten sortiert man in einem ersten Schritt die Anliegen, die einem wichtig sind. Dies ermöglicht es einem, die in Frage kommenden Organisationen ein wenig einzugrenzen. Anschliessend kann man sich direkt oder über Zusammenschlüsse wie beispielsweise myhappyend.org darüber informieren, welche Organisationen diesen Anliegen Rechnung tragen. Werden für den Entscheid zusätzliche Informationen über eine gemeinnützige Organisation benötigt, können direkt bei der jeweiligen Organisation Jahresberichte und Jahresrechnungen angefordert werden.


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